Musik-Kurswochen
Arosa
June – October 2020

Ramesh Shotham
In gewisser Hinsicht ist jede Musik wie eine Reise, doch einige Musiker reisen weiter als andere. Der Schlagzeuger und Perkussionist Ramesh Shotham ist einer von ihnen.

Ende der 60er-Jahre gründete er die Band «Human Bondage», eine der erfolgreichsten indischen Rock-Gruppen jener Ära. Mitte der 70er-Jahre zog Ramesh Shotham nach Bangalore, wo er sich nun der Musik seiner Heimat zuwandte. Er beschäftigte sich intensiv mit der karnatischen Musik (südindische klassische Musik) und lernte, unter der Leitung von Professor T.A.S. Mani, die klassischen Perkussionsinstrumente sowie Konakol (Trommelsprache) am Karnataka College of Percussion (kurz KCP). Besonders faszinierte ihn der Klang der Tavil, einer traditionellen Tempelmusik-Trommel, die er bei dem Meister K.P. Ramu studierte.

1978 gründete Shotham in Kooperation mit dem indischen Jazz-Pianisten Louiz Banks das Jazz Yatra Septett. Hier standen erstmals indische Jazz-Musiker und südindische klassische Musiker gemeinsam auf der Bühne. Eine große Europa-Tournee führte diese Band zu fast allen bekannten Jazz-Festivals. Die Tournee endete 1980 mit der Veröffentlichung des Albums «Sangam», das den Preis der deutschen Schallplattenkritik bekam. Shotham entschloss sich in Europa zu bleiben und ist heute einer der erfolgreichsten und gefragtesten Perkussionisten.

Ramesh Shotham hat einen unverwechselbaren Klang, und sein Setup überrascht durch ein einzigartiges Instrumentarium, das von ausgewählten indischen Trommeln (Mridangam, Ghatam, Kanjira, Morsing), über diverse Perkussionsinstrumente (Tontopf, Udu, Darbuka, Hang, Cajon) bis zu einem eigenwillig zusammengestellten Schlagzeug reicht. Er ist Endorser bei verschieden Firmen, wie Meinl, Wahan Drums und Anatolian Cymbals und liefert mit eigenen Ideen Input bei der Entwicklung und Verbesserung einiger ihrer Produkte.

Die Verwendung traditioneller indischer Trommeln im Rahmen von Orchester und Big Band-Produktionen ist eine seiner Spezialitäten. Kollaborationen mit der Carla Bley Big Band «Escalator Over the Hill», der WDR Big Band «Sketches of Bangalore», Wolfgang Niedecken «Deutschlandlieder», BuJazzO (Bundesjugendjazzorchester) «Calcutta Ending», der Phoenix Foundation «Korindia», London Philharmonic Orchestra «Renga», dem Orchester des Nationaltheater Mannheims «Alessandro» (eine barocke Oper unter der Regie von Günter Krämer) und Sigi Schwab «Ramayana» sind einige Beispiele.

Seine Zusammenarbeit mit visionären Künstlern wie Charlie Mariano, Steve Coleman, Carla Bley, Rabih Abou Khalil, Sigi Schwab, Jonas Hellborg, Jasper van’t Hof, Aziza Mustafa Zadeh, Larry Coryell, Kazumi Watanabe, Matthias Frey, Wolfgang Niedecken, Andre Heller (Film «Stimmen Gottes») und Manfred Waffender (Film «Herzschlag der Kontinente») sowie viele andere ist ausführlich dokumentiert (über 250 Alben und einige Filme).

USA, Kanada, Australien, China, Korea, Taiwan, Senegal, Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten und die europäischen Länder waren und sind Stationen seiner Konzertreisen. Er spielte bei allen wichtigen internationalen Festivals, wie z.B. Jazz Festival Berlin, North Sea Jazz Festival, Festival of Perth, Buk Festival Korea, Montreal Jazz Festival, Jazz Yatra Festival Mumbai, Duniya Festival, Music Meeting Nijmegen, Festival of India in Australien und China.

Im Laufe der Jahre nahm Ramesh Shotham an diversen Projekten teil, die durch Goethe Institut, Auswärtiges Amt, Deutscher Musikrat, Kultursekretariat NRW, Kunststiftung NRW gefördert wurden: 1990, 1992, 1993, 2000 «Drümmele Maa» nach Jugoslawien, Bulgarien, Ungarn, Frankreich, Spanien, Portugal, Syrien und Indien; 2008 mit Matthias Frey nach Kairo und Alexandria; 2008 mit Stefan Bauer nach Estland; 2010 mit Mike Herting nach Senegal; 2011, 2012 und 2013 mit «BuJazzO», «Eastern Flowers» und «Mahaphon Clang» nach Indien, 2014 «Dialog-GlobalTala» und «Madras Special-New Generation» in NRW.

Abgesehen von seinen Konzertreisen und Studioproduktionen setzt sich Ramesh Shotham im Bereich der Musikpädagogik ein, z.B. als Gastdozent Universität Bayreuth; Rotterdamer Konservatorium; Tamburi Mundi Festival Freiburg; Youth Creativity Workshop Taiwan, Hochschule Weimar und Hochschule Rostock. Sein Konzept «GlobalTala» (zur Vermittlung des indischen Rhythmussystems) unterrichtet er im Rahmen von «Kultur und Schule» Projekten. Er ist ständiges Mitglied der «World Percussion Academy» in Heek.

Ende der 80er-Jahre gründete Ramesh Shotham die Band «Madras Special» mit Charlie Mariano, Saxophon und Naresh Purushotham, Veena (südindisches Saiteninstrument). Seitdem besteht «Madras Special» in verschiedenen Avatars, mit Musikern wie Ronan Guilfoyle, Sandhya Sanjana, Dave King, Christian Zürner u.a. Die aktuelle Formation heißt «Madras Special-New Generation» mit Zoltan Lantos, Violine; Sebastian Müller, Gitarre und Reza Askari, Bass und Johannes Lemke, Saxophone.

Die Musik von Madras Special-New Generation ist inspiriert durch klassische südindische Ragas und Talas sowie aktueller improvisierter Weltmusik. Auf der Basis von komplexen Grooves und Melodien entwickelt die Band ein packendes Menü aus Jazz, Funk, Rock und Weltmusik.

Eines der Highlights des 2017 war Shothams Teilnahme an der Produktion Mumbai Projekt + hr-Bigband. Im 2018 gewann Shotham den WDR Jazzpreis in der Kategorie Musikkulturen.

(Foto Gerhard Richter)

Courses
GlobalTala – Percussion Workshop (Brasilian Percussion) (ABGESAGT)
GlobalTala Percussion (Brasilian Percussion) – Bossa Nova Guitar - (ABGESAGT)